Der Erfolg der Wirtschaft Südtirols hat sich erst seit den 50er Jahren eingestellt, davor war die Provinz fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und dadurch sehr arm. Der Aufschwung lässt sich sehr gut anhand der Industrieentwicklung erklären: So machten Industriebetriebe im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lediglich 5% aller sich in Südtirol befindlichen Unternehmen aus, was zu damaliger Zeit auf eine Vorrangstellung der Landwirtschaft schließen lässt. Deutsche Industriebetriebe waren ebenfalls nicht vorhanden. Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie war auch sehr niedrig und lag etwa bei 6%. So gesehen spielte die Industrie damals keine Rolle.
In den Jahren zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg war ein leichter wirtschaftlicher Aufschwung zu verspüren: Die Zahl der Betriebe, die dem Industriesektor angehörten, erhöhte sich auf immerhin 8%, die Zahl der dort Beschäftigten gar auf 37%. Dieser doch gewaltige Anstieg ist größtenteils das Ergebnis der zweiten Phase der Italianisierung, in der Unternehmen Steuererleichterungen gewährt wurden, wenn sie Niederlassungen in Südtirol aufbauten. Der Erfolg dieser Maßnahme spiegelt sich in den eben genannten Zahlen wider.

Diesem Aufschwung folgte jedoch ab 1939 ein jäher Absturz, der bis Mitte der 50er Jahre anhielt. Ein Grund dafür ist die zum damaligen Zeitpunkt eingeführte Option, die zu Unsicherheit in der Bevölkerung und zu gegenseitigen, auch handgreiflichen Übergriffen der Optanten und Dableiber führte. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen verstärkten den Abwärtstrend. Die Anzahl der Industriebetriebe an allen Unternehmen sank auf 4%, die anteilige Beschäftigtenzahl auf ebenfalls 4%.
Erst ab Mitte der 50er bis zum Ende der 60er setze ein übermäßig starker Aufschwung ein, der den Wandel Südtirols zu einem Industriegebiet zur Folge hatte. Grund war die allgemein positive Stimmung während des italienischen Wirtschaftswunders, die von einem Zusammenwachsen der Volksgruppen in Südtirol begleitet war. Die Beschäftigung in der Landwirtschaft nahm durch Rationalisierung und Technisierung ab; die Landwirte zogen daraufhin größtenteils in die Ballungszentren, wo sie versuchten, in den Industriebetrieben Arbeit zu finden. In den Jahren bis 1971 stieg so der Anteil der Industrieunternehmen auf 46%, die der Arbeitnehmer auf 35%. Auch die Anzahl der deutschen Unternehmen in Südtirol stieg in dieser Zeit signifikant an.
Seit diesem Zeitpunkt nahm die Stärke der Industrie aber stetig ab, vor allem bedingt durch den Strukturwandel. Dienstleistungen wurden in der Folgezeit immer wichtiger. Bis 1979 sank der Anteil der Industriebetriebe auf 37%, der Anteil der Beschäftigten auf 18%. Aufgefangen wurde die Entwicklung der Wirtschaft durch eine gezielte Ansiedelungspolitik auf das Land, ganz besonders aber durch den Boom des Fremdenverkehrs.
Seit den 80er und besonders seit den 90er Jahren hat sich der wirtschaftliche Wohlstand, aber auch die Anzahl der Bevölkerung, auf dem hohen Niveau eingependelt. So zählt Südtirol aktuell zu den attraktivsten Gebieten in Italien für deutsche Unternehmen. Kleinere Rückschläge durch Rezession (z.B. zwischen 1980 und 1983) wurden besser verkraftet als von der italienischen Gesamtwirtschaft. Die Gründe hierfür liegen in den Vorteilen der Wirtschaft Südtirols, wie z.B. die ausgeglichene Branchenstruktur und die Vielzahl der Klein- und Kleinstbetriebe, aber auch der enorme Steuerrückfluss spielt eine große Rolle. Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zu den anderen Regionen Italiens zeigt die Entwicklung ebenfalls deutlich auf. Heute zählt Südtirol immer noch zu den Gebieten mit dem höchsten Wohlstand in Italien.