Geographisch liegt Südtirol in der von Klaus Stemmermann beschrieben Stilzone III, die von den Gebieten des sogenannten Terza Italia gebildet wird. Sie ist gekennzeichnet durch ihren polyzentrischen Charakter und dem spezifischen Verhältnis zwischen den Städten und dem Umland. Ihre wirtschaftliche Besonderheit liegt in der Existenz von vielen Klein- und Kleinstunternehmen, die sich zu spezialisierten Geflechten zusammengeschlossen (distretti industriali) und meist auf bestimmte Branchen spezialisiert haben. Diese Entwicklung wurde in der Vergangenheit verstärkt durch die Strategie des sogenannten decentramento produttivo, d.h. durch die Dezentralisierung der großen Firmen im Nordwesten des Landes in Richtung Osten, dem heutigen Terza Italia.
Trotz der geographischen Lage innerhalb der Stilzone III hat sich die Entwicklung des Terza Italia in Südtirol, wie auch in der ganzen Region Trentino-Südtirol nicht durchgesetzt. Als Grund hierfür vermutet man die Zugehörigkeit zum deutschen Sprach- und Kulturkreis. Allerdings muss diese Situation nicht zwangsläufig bedeuten, dass Südtirol für immer vom Terza Italia ausgeschlossen bleibt, denn schon die geschichtliche Entwicklung zeigt eine Ausdehnung nach Norden auf. Spielte während der ersten Welle der Entwicklung des Dritten Italien die gesamte Region Trentino-Südtirol überhaupt keine Rolle, so wurde von der zweiten Welle, die sich weiter in den Norden orientierte, zumindest die Provinz Trentino durchzogen, wobei die Provinz Südtirol nur tangiert wurde.

Ein vollständiger Anschluss ist also keine Utopie und möglicherweise nur eine Frage der Zeit.
Ein weiteres Charakteristikum der Provinz Südtirol ist das Vorhandensein vieler deutscher Tochtergesellschaften, die sich dort (wenn auch mit großem Abstand zur Wirtschaftsmetropole Mailand) in zweitgrößter Anzahl niedergelassen haben. Auffällig ist, dass man diese Unternehmen vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen findet, die Italien mit den deutschsprachigen Gebieten verbinden und dass man sie keinem Branchenschwerpunkt zuordnen kann. Der Vorteil für deutsche Unternehmen in Südtirol ist offensichtlich: Die Firmen besitzen die Möglichkeit, am italienischen Markt Fuß zu fassen, ohne mit Problemen der Sprache oder der Kultur des fremden Landes konfrontiert zu sein. Dies ist jedoch einhergehend mit fehlender Marktnähe.
Besonders auffällig in der Provinz Südtirol ist die sehr geringe Arbeitslosigkeit, die sich seit 1995 zwischen Werten von 2,2% und 2,8% bewegte und im Jahr 2003 bei 2,6% lag. Arbeitsmarktpolitisch sind diese Werte mit Vollbeschäftigung gleichzusetzen, denn zu jeder Zeit befinden sich Menschen auf Arbeitssuche, so dass vollkommene Arbeitslosigkeit (also 0%) in der Praxis nicht möglich ist. Weiterhin ist zu erwähnen, dass Arbeitslosigkeit fast ausschließlich saisonal auftritt. Vor allem Ernte, Bau, sowie Sommer- und Wintertourismus führen teilweise zu noch höherer Beschäftigung und damit zu einer noch niedrigeren Arbeitslosenquote.

Zum Vergleich: In ganz Italien, betrug 1998 die Arbeitslosigkeit 12,3%, im wirtschaftsstarken Norden Italiens waren 1998 immerhin 6,6% der Menschen ohne Arbeit.
Die Wirtschaftssektoren sind folgendermaßen aufgeteilt: Die Landwirtschaft (Holz- und Viehwirtschaft im Gebirge, Ost- und Weinanbau im Etschtal) trägt 5% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, das produzierende Gewerbe 28%, die Dienstleistungen 52% und schließlich die öffentliche Verwaltung 15%. Die Arbeitnehmer jedoch teilen sich in diesen Sektoren anders auf, nämlich 13% auf die Landwirtschaft (d.h. die Arbeitnehmer sind in diesem Sektor unterdurchschnittlich produktiv), 25% auf das produzierende Gewerbe und 62% auf den Dienstleistungsbereich.
Obwohl in Südtirol nur 0,8% der italienischen Bevölkerung lebt, steuert es 1% zum gesamtitalienischen BIP bei, was bedeutet, dass die Wirtschaft in Südtirol überdurchschnittlich erfolgreich ist.
Der wichtigste Grund für die gute Situation in Wirtschaft und Arbeitsmarkt ist die ausgewogene Wirtschaftsstruktur Südtirols. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern oder Provinzen herrscht dort nicht ein Wirtschaftszweig vor, vielmehr existieren dort mehrere, die sich in etwa die Waage halten. Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel, Gastgewerbe, Dienstleister und öffentliche Verwaltung in etwa gleichauf. In Krisenzeiten, die oftmals nur eine Branche trifft, kann folglich eine negative Wirtschaftsentwicklung durch die anderen Zweige aufgefangen werden.
Weiterhin gibt es in Südtirol eine große Anzahl an Familienbetrieben (mit durchschnittlich vier Arbeitnehmern pro Unternehmen) und kleinbetriebliche Industrie (mit durchschnittlich 12 Arbeitnehmern pro Unternehmen). Die Wirtschaftsmacht ist somit auf viele Schultern verteilt und dadurch nicht auf wenige Unternehmen konzentriert, was zwar zu geringerer Produktivität, aber zu mehr Stabilität führt.
Weitere Erfolgsfaktoren sind das für Italien einmalige duale Ausbildungssystem sowie die Tatsache, dass 90% der vom Staat in Südtirol erhobenen Steuern wieder in diese Provinz zurückfließen, was vor allem durch die Autonomie erreicht wird.