In Südtirol existiert, wie auch in ganz Italien, eine sehr große Anzahl an Parteien. Die landesweit bekanntesten sind dabei die Forza Italia (von dem derzeitigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi), die Alleanza Nazionale, die Lega Nord sowie die Verdi/Grünen. Außerdem gibt es sehr viele regionale Parteien, deren Bestehen sich ausschließlich auf Südtirol beschränkt und deren Größe und Einfluss sehr stark variieren. Die größte der regionalen Parteien ist die Südtiroler Volkspartei (SVP), gefolgt von der Union für Südtirol; weitere Parteien sind Ladins, Demokratische Partei Südtirols und die Unione Democratica dell’Alto Adige. Seit den ersten Landtagswahlen Südtirols im Jahre 1948 siegte die SVP regelmäßig mit einer fast unglaublichen Mehrheit von über 60% aller abgegebenen Stimmen. Erst seit Anfang der 70er Jahre sank die Zustimmung auf unter 60%, die absolute Mehrheit im Südtiroler Landtag jedoch blieb weiterhin unangetastet. Mit riesigem Abstand folgten früher die in Italien führenden Parteien, wie die Democrazia Cristiana (mit Werten zwischen 10% und 15%), Movimento Sociale Italiano (3% bis 7%) und Partito Comunista Italiano (3% bis 5%). Nach der Krise der Mani Pulite (Aufdeckung von Korruptions- und Parteifinanzierungsskandalen) und der damit einhergehenden Veränderung der politischen Landschaft Italiens änderte sich auch die Zusammensetzung des Südtiroler Landtages. Die SVP blieb weiterhin mit absoluter Mehrheit an der Spitze, gefolgt jedoch von den vielen regionalen Parteien.
Die wenigen nationalen Parteien fielen noch weiter zurück, so z.B. auch die italienische Regierungspartei Forza Italia, die bei den Wahlen von 1998 nur 3,7% der Stimmen auf sich vereinen konnte oder die Lega Nord mit nur 0,9%. Lediglich die Alleanza Nazionale konnte sich gegen den Trend behaupten und mit 9,7% die zweitmeisten Stimmen gewinnen. Um den Erfolg der SVP zu verstehen, ist es unerlässlich, kurz deren Entstehung und Ziele aufzuzeigen. Die Partei, die sich als Vertreter aller deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler versteht, wurde im Jahre 1945 gegründet und ist aus der Widerstandsbewegung „Andreas-Hofer-Bund“ hervorgegangen, die 1939 von jungen Nicht-Optanten ins Leben gerufen wurde. Kurz nach der Gründung übergab die Partei eine Liste mit über 155.000 Unterschriften mit der Forderung einer Rückkehr Südtirols zu Österreich an den österreichischen Bundeskanzler. Obwohl diese Aktion keinen Erfolg hatte, wurde damit der Bevölkerung Südtirols die eigene Gesinnung, die auch die Einstellung der meisten Südtiroler widerspiegelt, aufgezeigt. Im Jahre 1957 kam es zu der größten Protestkundgebung der SVP als Folge der Nichterfüllung des Pariser Vertrages, mit der gleichzeitig eine eigenständige Autonomie für Südtirol gefordert wurde. Seit der Erfüllung des Zweiten Autonomiestatutes versucht die SVP mit gezielten Forderungen, die Autonomie Südtirols schrittweise weiter zu erhöhen. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Ziel ursprünglich die Rückkehr zu Österreich war. Als man die Unmöglichkeit dieser Forderung erkannte, zielten die Maßnahmen vor allem auf die Einführung und Erhöhung der Autonomie, um auf lange Sicht den Status eines unabhängigen (Bundes-)Landes zu erreichen.
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