Eine Trennung von Tirol und Südtirol, wie sie heute existiert, gab es in früheren Jahrhunderten nicht. Vielmehr wurden diverse Gebiete erst 1248 zu der Grafschaft Tirol zusammen geschlossen. Dieses Datum gilt heute auch als Geburtsstunde eines geeinten Tirols. Die endgültige territoriale Ausgestaltung geschieht jedoch erst zwischen 1271 und 1295 unter Meinhard II.
Im Jahre 1335 ging Tirol durch Heirat an Bayern über. Nur wenige Jahre später, nämlich 1363, wurde Tirol von den Habsburgern übernommen und gehörte anschließend bis zum Ende des Ersten Weltkrieges deren Kaisermonarchie an.
Einer der wichtigsten Einschnitte in der Geschichte Südtirols geschah dann 1919. Nach dem Ende des Weltkrieges wurde am 10. September desselben Jahres im Friedensvertrag von St. Germain festgelegt, dass Tirol zerschlagen wird und der ganze Teil südlich des Brenners (das heutige Südtirol), obwohl zu 97% deutschsprachig, an Italien übergeht. Dieses Gebiet wurde den Italienern bereits 1915 durch den Londoner Vertrag als Ausgleich für einen Kriegseintritt auf Seite der Alliierten zugesichert.
Am 29.10.1922 wurden Benito Mussolini vom schwachen König die Regierungsaufgaben übergeben. Ein großes Ziel seiner faschistischen Partei war die Ausrottung der deutschen Minderheit in Italien; die Mittel zu dessen Erreichen waren vielfältig und schon 1923 begann man mit der sogenannten Italianisierung. Als erstes wurden sämtliche Orts- und Flurnamen ins Italienische übersetzt, wozu man dabei auf alte Namen aus der Römerzeit zurückgriff, an manche deutsche Namen eine italienische Endung („o“) anhängte oder bestimmte Namen einfach erfunden hat.

Weiterhin musste die Bevölkerung ihre deutschen Vor- und Nachnamen ablegen bzw. diese übersetzen. Das Wort „Tirol“ wurde verboten und deutsche Wirtschafts- und Sozialverbände einfach aufgelöst. 1925 wird Italienisch zur einzigen Amtssprache deklariert (obwohl viele Menschen vor allem in Südtirol kein einziges Wort Italienisch beherrschten), die deutsche Sprache wurde verboten, Lehrer, die auf Deutsch unterrichteten, suspendiert und gefangen genommen. 1927 schließlich wurden deutsche Inschriften auf Grabsteinen verboten. Das Ziel all dieser Maßnahmen ist offensichtlich: Der Bevölkerung sollte eine italienische Tradition vorgegaukelt werden. Sie sollte meinen, von einer italienischen Bevölkerung mit eben dieser Tradition abzustammen. Dass dies nicht gelang, lag vor allem an der Bevölkerung selbst, die sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Italianisierung wehrte. Der Unterdrückung der deutschen Sprache wurde z.B. durch die Gründung von Katakombenschulen begegnet (in Katakomben außerschulischer Gebäude wurde heimlich Deutsch gelehrt, bzw. der ganze Unterricht auf Deutsch abgehalten).
Trotz der Bemühungen, Südtirol zu einem „italienischen“ Land zu machen, scheiterte dieses Vorhaben aufgrund des Widerstandes der Bevölkerung. Die Faschisten begegneten dieser Entwicklung mit der sogenannten 2. Phase der Italianisierung ab 1928. Im Jahre 1935 erteilte Mussolini der Großindustrie aus Mailand und dem Piemont den Auftrag, Niederlassungen in Südtirol, speziell in Bozen zu errichten. Als Motivation, diesem Aufruf zu folgen, ließ er Grundstücke in der Größe von drei Millionen Quadratmetern am Stadtrand enteignen. Außerdem gewährte er den expandierenden Firmen Steuererleichterungen, Gebührenbefreiungen und Vergünstigungen der Frachtspesen, um diese Industrie konkurrenzfähig zu halten. Gleichzeitig wurden italienische Familien nach Bozen und Umgebung umgesiedelt, bzw. von den neuen Unternehmen angezogen, um dort zu arbeiten, denn den Südtirolern war Arbeit in den Werken verboten. Das verfolgte Ziel, durch diese Maßnahmen Italiener in das betroffene Gebiet zu bringen und damit die deutsche Vorherrschaft zu unterwandern, gelang deutlich besser als die Aktionen der 1. Phase der Italianisierung. In der Zeit von 1935 bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Anzahl der Bevölkerung von ursprünglich 30.000 bis zeitweise auf 120.000 Menschen an. Da die Zuwanderer größtenteils „richtige“ Italiener waren, sank der Anteil der deutschen Bevölkerung in Bozen von früher fast 100% auf nur noch 25%. Diese Quote hat auch heute noch Bestand. Somit erklärt dieses Ereignis der Südtiroler Geschichte die Merkwürdigkeit, dass inmitten eines deutschsprachigen Gebietes eine Stadt mit größtenteils italienischsprechender Bevölkerung existiert.
Als 1938 Adolf Hitler Österreich an Deutschland anschloss, nährte dies die Hoffnung vieler Südtiroler, dass Südtirol wieder mit Tirol vereinigt werden könnte. Tatsächlich jedoch wollte Hitler nur Mussolini für seine Kriegsabsichten gewinnen, Südtirol stellte für ihn dabei einen Störfaktor dar. Um dieses Problem zu lösen, wurde 1939 das Deutsch-Italienische Abkommen (auch Hitler-Mussolini-Abkommen genannt) geschlossen, das vorsah, der Bevölkerung Südtirols die Wahl zwischen Optieren und Dableiben zu gewähren. Optieren bezeichnete die Möglichkeit, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen und verpflichtend ins Deutsche Reich auszuwandern;

Dableiben dagegen bedeutete die Akzeptanz der italienischen Staatbürgerschaft und gleichzeitiges Bleiben in Südtirol, jedoch auch der Verlust des Schutzes für ihr Volkstum. Die anfängliche Entrüstung und Ablehnung dieser Wahl wich der Einstellung zum Optieren. Verlässlichen privaten Quellen zufolge votierten über 246.000 Menschen dafür, während sich nur etwa 34.000 für das Dableiben entschieden. Offizielle Quellen veröffentlichten andere Zahlen (weniger Optierer, dafür mehr Dableiber), die aber von der damaligen Regierung nur geschönt sein dürften. Insgesamt sind jedoch nur etwa 75.000 Personen ausgewandert, was einerseits an der wohlwollenden Verzögerungstaktik der deutschen Behörden, andererseits vor allem am Kriegsbeginn und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht lag. Außer der Trennung der Bevölkerung führte dieses Vorhaben noch zu einem weiteren Effekt: Es wurde eine tiefe Kluft zwischen den beiden Parteien der Optierer und Dableiber gerissen. Besonders die Minderheit der Dableiber war Anfeindungen und Übergriffen von der Mehrheit der Optierer ausgesetzt.